Kunst Kritik

Künstlerbiografie: ein Leben vor der Linse

Lexikon | NS | aus FALTER 41/13 vom 09.10.2013

Wenn es einen Charakterkopf in der modernen österreichischen Kunstgeschichte gegeben hat, dann wohl Oskar Kokoschka ((1886-1980). Kein Wunder also, dass unzählige Fotografen den charismatischen Maler porträtieren wollten. Das Leopold Museum zeigt nun in der gelungenen Schau "Kokoschka - Das Ich im Brennpunkt" rund 220 Aufnahmen aus dem Fundus des Oskar-Kokoschka-Zentrums an der Angewandten gemeinsam mit Gemälden. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und vermittelt die vielen Stationen, künstlerisch sowie biografisch, die Kokoschkas langes Leben geprägt haben.

Im ersten Saal werden großflächig Fotos des stets tadellos gekleideten Künstlers und kurze Ausschnitte aus Filmdokus an die dunklen Wände projiziert. In der Folge teilen sich die Räume halb in fotografische und dokumentarische Exponate, halb in Gemälde und Zeichnungen. Hier wird ein mehr als reiches Leben ausgebreitet: Zu den ersten Aufträgen Kokoschkas, der 1909 mit rasiertem Kopf zu sehen ist, zählten Postkarten für die Wiener Werkstätte. Auf den Kunstkritiker Ludwig Hevesi hatte der Sohn eines Goldschmieds bereits bei der Kunstschau 1908 solchen Eindruck gemacht, dass er ihn als "Oberwildling" titulierte. Ein dramatisches Kapitel im Leben Kokoschkas bildete seine Beziehung zu Alma Mahler. Auf seinen Gemälden und auf Fotos ist jene lebensgroße, flauschige Puppe zu sehen, die er nach der Trennung von Alma bei der Puppenmacherin Hermine Moos bestellt hat. Das großartige Selbstporträt voller Zweifel trifft in der Schau auf Kokoschka als jungen Rittmeister im Fotostudio oder Hugo Erfurths großartiges Porträt von 1920. Tolle Aufnahmen von Madame d'Ora (Kokoschka in kurzen weißen Hosen!), Brassai, Trude Fleischmann, Herbert List, Earl Seubert und vielen anderen machen die Ausstellung zu einem Must!

Leopold Museum; bis 27.1.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige