Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Die Redaktion erklärt sich selbst

Es kommt zwar seltener vor, aber hin und wieder prallen im Rahmen von Redaktionssitzungen auch kontrastierende Auffassungen davon aufeinander, wie das Cover zu gestalten sei. In ähnlichen Fällen reagieren Wildhüter, Zoowärter und andere Aufseher in Gottes großem Tiergarten damit, dass sie das Betäubungsgewehr rausholen und den Kombattanten einen dieser befiederten Bolzen in den Hinterschinken pfeffern. Armin Thurnher macht es in etwa genauso. Seine garantiert mannstoppende Munition besteht entweder in dem prokrastinativen Stehsatz: "Wir lassen die Käselaiber reifen“ (zu übersetzen mit: "Wir brauchen da nicht länger drüber nachzudenken, ich werde das am Montag dann spontan entscheiden“) oder in der noch viel mehr gefürchteten "grafischen Lösung“.

Die "grafische Lösung“ besteht darin, dass man noch mehr Schrift aufs Cover tut als ohnedies schon am Cover ist. Oft findet man ja nicht das richtige Bild, und ein falsches Bild kann mehr schaden als tausend Worte. Besonders heikel ist es, wenn es um Sex geht. Stets noch sind die Verkaufszahlen in den Keller gerasselt, wenn der Falter mit Sex am Cover aufgemacht hat, weil man dem/der Falter-Leser/in mit solch plump spekulativem Mist gar nicht erst zu kommen braucht. Zum anderen ist Sex aber schon echt kompliziert, weil: Fällt irgendjemand dazu ein passendes Bild ein?! Oliver Hofmann fiel: eine zart ins Figurative hinüberspielende paragrafische Lösung. Eine dialektische Meisterleistung. Es steht freilich "Sex“ daneben. Der/die Leser/in wird es also schnell durchschaut haben.


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