Kommentar  Kunstsponsoring

Das Museum Albertina wäscht angepatzte Firmennamen rein

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Geld riecht nicht. Daher zögerte die Albertina nicht, die Kunstsammlung der russischen Gazprombank in ihren Räumen zu präsentieren. Geld ist nicht alles, befanden Greenpeace-Aktivisten und protestierten am Tag der Eröffnung. Der Mutterkonzern der Bank, das Energieunternehmen Gazprom, hatte erst unlängst eine Gruppe von Umweltschützern festnehmen lassen, die gegen umweltgefährdende Ölförderpläne des Konzerns aktiv geworden waren. Leonid Tishkov, einer der an der Ausstellung beteiligten Künstler, hatte darauf bestanden, dass seine Werke nicht in der Albertina gezeigt würden - ebenfalls als Zeichen des Protests.

Wer ein Museum mit so hohem finanziellem Risiko führt wie Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, darf nicht allzu zimperlich sein. Hauptsponsor des Hauses ist neben dem österreichischen Staat das Unternehmen Superfund, ein aggressiver Hedgefonds. Mit der Gazprom-Kunst holt sich Schröder nun Gäste ins Haus, die die westlichen Fantasien besonders negativ anregen: Die Marke steht auch für das System Putin und damit für das Einsperren kritischer Künstler, Korruption und aggressiven Nationalismus. Umgekehrt zeigt sich der Westen in Russland gerne als humanistischer Kulturkontinent, etwa in Form einer Albertina-Ausstellung in der Leningrader Eremitage.

Die wichtigsten Werke sind Leihgaben Herbert Batliners, der der Albertina seine wertvollen Beispiele moderner Kunst auf unbefristete Zeit anvertraute. Batliner machte sein Vermögen als Wirtschaftstreuhänder; zu seinen Kunden zählten inzwischen verurteilte Steuerbetrüger und Drogenhändler. Gazprom kann von der "Batlerina“ lernen, wie man durch Kunst ein besserer Mensch wird.


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