Wieder gelesen  Bücher, entstaubt

Der verdrängte Erwin Ringel

Politik | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Wenn man in unseren Tagen das Gespräch auf Erwin Ringels Buch "Die österreichische Seele“ bringt, erlebt man häufig einen Abwehrreflex à la: Das Thema haben wir schon tausendmal durchgekaut, Ringel ist mit seinen Thesen längst selbst zu einem Anti-Österreich-Klischee geworden.

Jedem halbwegs aufmerksamen Geist wird nur schwer entgehen, dass dieser Abwehrmechanismus nur eine andere Spielart der alten Ablehnung ist, die Ringel, dem Nestbeschmutzer, seinerzeit in den 1980er-Jahren widerfahren ist.

Wer Ringel heute leichtfertig abschreibt, vergisst und verdrängt, dass seine Diagnose noch immer zutreffend ist: Österreich ist nach wie vor ein Land, dessen Bewohner größte Schwierigkeiten haben, lebenswichtige Emotionen wie Freude und Liebe ohne Komplexe auszuleben. Österreich zählt zu den reichsten Ländern der Welt, aber der gemeine Österreicher will davon nichts wissen, zu sehr ist sein Gemüt in der Geiselhaft einer diffusen Wut über seine eigene Unzulänglichkeit (siehe auch Seite 10). Wz

Erwin Ringel: Die österreichische Seele. Kremayr & Scheriau, 349 S., € 19,90


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