Nachgesehen  Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Kaffee und Sachertorte für Shoah-Überlebende im Wiener Rathaus

Politik | Ruth Eisenreich | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Dass Jackie Young, 71, im prunkvollen Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses sitzt und Sachertorte isst, könnte man ein Wunder nennen. Das Jewish Welcome Service hat ihn und die anderen Menschen im Saal vergangene Woche nach Wien eingeladen; sie alle wurden von den Nazis vertrieben oder sind die Kinder Vertriebener.

Young war neun Monate alt und hieß Jona Spiegel, als die Nazis ihn 1942 ins KZ Theresienstadt deportierten. Von 15.000 Kindern überlebten dort nur 100, erzählt Young; er war einer davon. Nach dem Krieg von Engländern adoptiert, erfuhr er erst als Erwachsener bruchstückhaft von seiner Herkunft. Die Nazis hatten seine Familie ermordet, niemand weiß, wie Young überlebte. Womöglich hat er sein Leben der Nazi-Propaganda zu verdanken: Sie wollte Theresienstadt dem Roten Kreuz als "Vorzeigelager“ präsentieren. Zu diesem Zweck, vermutet Young, benötigte man ein paar gesunde jüdische Kinder.


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