Mediaforschung  Verführungskolumne

Gibt es im Kino echt immer ein Happy End, Herr Riebenbauer?

Medien | Julia Seidl | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Der Clip zeigt einen kleinen Buben, der sich ein rotes Cape über die Schultern zieht, eine silberne Maske aufsetzt und sich die zu große Hose raufzieht. Dann streckt er lachend die Faust in die Luft und springt in die Höhe. "Kino - in dem du zum Helden wirst“, erscheint in weißer Schrift über dem Video.

Es ist das Kernstück des neuen Marketingauftritts der Kette Cineplexx. Mit dem Slogan "Cineplexx - unsere Welt des Kinos seit 1967“ erinnert der älteste Kinobetreiber Österreichs an das erste Kino, das die Mutterfirma Constantin 1967 eröffnet hat.

Entwickelt wurde das Konzept von der Agentur Riebenbauer Design. "Wir wollten die unterbewussten Motive dafür feststellen, warum jemand ins Kino geht“, erklärt Franz Riebenbauer. "Will er mit seinen Freunden zusammen sein? Möchte er aus seinem Alltag ausbrechen?“ Die Bilder sollen die Leute emotional ansprechen. "Viele Leute hatten im Kino ihr erstes Date oder den ersten Kuss.“

Zusätzlich zum Video werden berühmte Filmzitate auf Eintrittskarten, Popcorn- und Trinkbecher gedruckt. Mitarbeiter des Kinos haben Visitkarten, auf denen zum Beispiel steht: "Zu gerne würde ich noch mit Ihnen plaudern, aber ich habe noch ein Festessen mit einem guten Freund.“ Ein Zitat von Menschenfresser Hannibal Lecter im Film "Das Schweigen der Lämmer“.

"Kino - bei dem es immer ein Happy End gibt“, sagt die Werbung. Erzählen Sie das einmal wem, der gerade "Titanic“ angeschaut hat! Schluchz.


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