Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Verlag der Welt der Woche

Die Dörlefrau weiß, was Leser wünschen

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Über den vergangene Woche vergebenen Literaturnobelpreis kann man sich wirklich freuen. Alice Munro hat ihn verdient und kommt auch noch aus dem sympathischen Kanada, einem Land voller Pop-Genies, verrückter Skifahrer und Grizzlybären, die Lachse als Tennisrackets verwenden. Das Einzige, was man ein bisschen bedauern kann, ist, dass die Autorin den Preis nicht schon früher bekommen hat. Mit 82 ist es nicht mehr so leicht, die rund 913.000 Euro Preisgeld auf den Schädel zu hauen, wohingegen es die jungen Dinger (Herta Müller, Elfriede Jelinek) ja noch richtig krachen haben lassen: französischer Schampus, japanischer Fummel, italienische Cabrios - das volle Programm.

Immerhin: Munros Bücher werden reißenden Absatz finden, und der entsprechende Geldregen wird hoffentlich auch den Zürcher Dörlemann-Verlag benetzen, wo die ersten beiden Erzählbände Munros ("Tanz der seligen Geister“ und "Was ich dir schon immer sagen wollte“) erschienen sind.

Der 2003 gegründete Verlag zählt zu den erfreulichsten Erscheinungen des Buchmarkts. Er hat ein überschaubares, aber hochkarätiges Programm, das sich - Sabine Dörlemann ist studierte Anglistin - vor allem auf die Übersetzung englischsprachiger (und russischer) Literatur konzentriert. Die Bücher des Reiseschriftstellers Patrick Leigh Fermor sind ebenso bei Dörlemann erschienen wie die Kriegsreportagen und Novellen von Martha Gellhorn oder die todtraurigen Romane Patrick Hamiltons. Elizabeth Taylors "Versteckspiel“ und Richard Hughes’ Abenteuerroman "Orkan über Jamaika“ zählen zu den schönsten literarischen Entdeckungen, auf die der Falter in diesem Jahr gestoßen ist. Ach ja: Dass die Bücher auch haptisch und optisch ein Fest sind, sollte eventuell auch noch erwähnt werden.


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