Nachrichten aus der Einsamkeit der Baumwollfelder

Feuilleton | Nachruf: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Der französische Theater-, Opern- und Filmregisseur Patrice Chéreau war ein Spezialist für die Physik der Gefühle

Zwei Männer begegnen einander in der Einsamkeit der Baumwollfelder: Einer ist Dealer, der andere sein Kunde. Das Zweipersonenstück "Dans la solitude des champs de coton“ (1987) ist eines der wortgewaltigen, enigmatischen Dramen, mit denen der französische Autor Bernard-Marie Koltès in den 1980ern berühmt wurde. Fast alle hat Patrice Chéreau zur Uraufführung gebracht, in der "Einsamkeit der Baumwollfelder“ spielte der Regisseur selbst den Dealer.

Chéreau hat seine Inszenierung 1995 wiederaufgenommen, sie wurde seinerzeit auch bei den Wiener Festwochen - in einer damals als Spielort genutzten Remise - gezeigt. Wer die Aufführung sah, hat sie auch fast 20 Jahre danach nicht vergessen. Der Dialog war wie ein Boxkampf inszeniert, in dem die beiden Kombattanten - Chéreau und sein Lieblingsschauspieler Pascal Greggory - nicht mit Fäusten, sondern mit Worten kämpften.


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