Der Mensch als melancholischer Dickhäuter

Feuilleton | Würdigung: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Der vor 200 Jahren geborene Georg Büchner brauchte nur drei Stücke, um zum Klassiker zu werden

Georg Büchner ist ein Klassiker im Kompaktformat. Sein Gesamtwerk passt locker in ein Taschenbuch; es umfasst im Wesentlichen eine Novelle sowie drei Dramen: "Dantons Tod“, "Leonce und Lena“ und "Woyzeck“. (Ein viertes Stück, über den Renaissancedichter Pietro Aretino, ist verschollen.)

Das Œuvre ist deshalb so schmal, weil der an Typhus verstorbene Dichter nur 23 Jahre alt wurde. Qualitativ hingegen sucht das Werk seinesgleichen: jeder Schuss ein Treffer. "Dantons Tod“ ist das vielleicht beste Historiendrama überhaupt, "Leonce und Lena“ eine der eigensinnigsten Komödien der Theatergeschichte, und "Woyzeck“ stellt so etwas wie die Urzelle der modernen Tragödie dar.

Obwohl sein Werk so theaterlastig ist - sogar der Held seiner einzigen Novelle "Lenz“ ist Dramatiker! -, war Büchner kein Theatermann. Er studierte Philosophie und Medizin (Dissertationsthema: "Das Nervensystem


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