Zwischen Küchenherd und Schreibtisch

Feuilleton | Würdigung: Sigrid Löffler | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

War aber auch Zeit: Mit Alice Munro erhält die nüchterne Chronistin des kanadischen Alltags den längst verdienten Literaturnobelpreis

Alice Munro hat ihr Leben lang nicht einfach nur Short Stories geschrieben. Ihre Erzählungen sind nie bloß lyrische oder impressionistische Abbreviaturen gewesen - sie sind komprimierte Romane. Darin findet sich kein schlampiger, unwahrer, überflüssiger oder matter Satz. Diese Erzählungen sind ein wuchtiges Genre voller Vehemenz und Dramatik.

Verglichen mit der Klarheit und Ökonomie dieser Roman-Kondensate wirken Langromane geschwätzig. Die Kanadierin kann auf kleinstem Textraum ganze Welten, auf einer Buchseite ein ganzes Menschenschicksal, in einem Erzählungsband ein gesellschaftliches Universum entfalten. Dass sie an einer einzelnen Story auch schon mal acht Monate lang feilt, verwundert nicht.

Mag sein, dass Munro den langen Atem für die Großform nicht aufbringen konnte, als sie, die schriftstellernde Hausfrau, neben Ehemann, Haushalt und Töchtern


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