Ein Nobelpreis für das nette Nordamerika

Feuilleton | Kommentar: Klaus Nüchtern | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Nach welchen Kriterien wird eigentlich der Literaturnobelpreis vergeben? Und was bringt er dem Buchhandel?

Die große Überraschung war diesmal ausgeblieben: Die Kanadierin Alice Munro galt (neben Landsfrau Margaret Atwood) seit längerem als seriöse Anwärterin auf den Literaturnobelpreis und war in den Tagen vor der Entscheidung sogar von manchen Buchmachern favorisiert worden.

Auch das Muster, demzufolge sich die Schwedische Akademie alle drei, vier Jahre für eine Frau entscheidet - nachdem die 1970er- und 80er-Jahre noch komplett frauenlos verstrichen waren -, wurde erfüllt: Zuletzt war 2009 die aus Rumänien stammende Herta Müller ausgezeichnet worden.

Kanada, das - sieht man von dem aus Montreal gebürtigen Saul Bellow (Nobelpreis 1976) ab - bislang leer ausgegangen war, ist wohl so etwas wie das nette Nordamerika und unterliegt nicht jenem bizarren antiimperialistischen Affekt, mit dem die Akademie die USA seit geraumer Zeit zu ignorieren pflegt.

Vor fünf Jahren hatte Horace Engdahl,


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