Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Pop

Haim: Days Are Gone

Verstehe einer die Musikindustrie. Da hat eines der wenigen verbliebenen Major Labels mit den süßen Haim-Schwestern aus L.A. einen vielversprechenden Act - und lässt nach dem Erscheinen der flotten ersten Single "Forever“ ein ganzes Jahr verstreichen, ehe das Album erscheint. Der Hype um das Trio ist inzwischen längst vorbei. Der Platte hat die Zeit auch nicht geholfen: Die besten Songs kannte man schon, der Rest verliert sich im Niemandsland zwischen Fleetwood Mac und Phoenix für Arme, 70er-Rock und R&B-Anleihen. Fadesse de luxe. (Universal) sf

Pop

Rotifer: The Cavalry Never Showed Up

So viel, wie ich kotzen möchte, kann ich gar nicht fressen. Dieses Lebensgefühl kennt bald wer, aber Robert Rotifer, der sein jüngstes Album damit eröffnet, vermag es ganz ohne selbstgefällige Larmoyanz zu artikulieren. In seinen klugen Texten verschränkt unser Mann in Canterbury Persönliches stets mit Politischem (gemeinsam mit den Eltern auf Demos gehen), musikalisch wird ein druckvoller und zugleich differenzierter Sound ohne rockistisches Muskelspiel und mit dem Mut serviert, das proggy Hippietum auch noch zu umarmen. Gut so! kn

Live: 24.10., 21.30, Chelsea

Klassik

Patricia Kopatchinskaja: Prokofiev & Stravinsky

Die passen gut zueinander: Patricia Kopatchinskaja, das wilde Mädchen mit den nackten Füßen, spielt Strawinskis Violinkonzert in D-Dur. Da fegen die Noten nur so dahin, überraschend und unberechenbar. Mal erklingt ein russisches Volkslied, mal eine Bach’sche Fuge, dann wieder spielt sich Strawinski mit Jazz und Zwölftonmusik. Schlicht und ausgesprochen lyrisch klingt Sergej Prokofjews zweites Violinkonzert. Kopatchinskaja genießt, ehe sie sich ins ungestüme Finale stürzt. Da ist er wieder, der ausgelassene Prokofjew der frühen Jahre. (Naive) mda


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