Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Nessie von Schloss Eggenberg

Über unglückliche Experimente, die doch glücklich machen

Stadtleben | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Der Verniedlichung von Alkohol in Form von Diminutiven, hübschen Dekorationen und sonstigem Tand ist entschieden entgegenzutreten. Der Stoff ist zu bedeutend, um nicht "für voll“ genommen zu werden. Deswegen hat das aus schottischem Highland-Whisky-Malz gebraute Bier, das niedlicherweise "Nessie“ genannt wurde, einen Minuspunkt vorweg - in Sachen Stil. Bei der Bestellung mit "Zwei Nessies bitte“ macht man an der Theke auch keine gute Figur. Die verantwortliche Brauerei Schloss Eggenberg mit Sitz im Salzkammergut braut angeblich bereits seit dem 14. Jahrhundert Bier und seit 1516 nach dem Reinheitsgebot - die müssten ja wissen, dass mit Alkohol nicht zu spaßen ist. Aber solche Fehler passieren, wenn Traditionen zu schnell ins eigene Umfeld installiert werden. Auch den missglückten Slogan "Der Whisky unter den Bieren“ versteht man nicht: Bier und Whisky sind doch zwei völlig unterschiedliche flüssige Prinzipien, meint man - sobald man mit Whisky dem Bier die Krone aufsetzt, wird doch sogleich das Wesen des Bieres geknechtet.

Sonst ist das Erscheinungsbild der Flasche recht solide. Kostet man das Getränk, wird einem sofort klar, welchen Geschmack die Betreiber extrapolieren wollten: Das dunkle und glitzernde Wesen des Whiskys gleitet elegant durch das rötliche Gebräu (fünf Prozent Alkohol) direkt in den Magen und gleich hoch hinauf in den Kopf. Angenehm wohlig und sehr klar fühlt man sich. Es ist leicht süßlich und entfaltet einen angenehm herben und rauchigen Geschmack. Fein! MS


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