Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Macht euch jetzt schon locker!

Steiermark | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Graz darf auf die beste Lebensqualität aller österreichischen Städte stolz sein. Das ging aus einer Studie der Europäischen Kommission hervor. Unter den europäischen Städten liegt Graz auf dem ausgezeichneten 14. Platz. Das ist schön. Anscheinend ist es hier so schön, dass die Stadtverantwortlichen wieder einmal meinen, nirgends anders anpacken zu müssen als beim "Bettlerproblem“. Bürgermeister Siegfried Nagl möchte Bettlerzonen einrichten, wenig überraschend taugt das der FPÖ. In ausgewiesenen Zonen dürfte dann nur mehr drei Tage die Woche gebettelt werden.

In der Steirerkrone erfährt man, warum - weil Almosenbedürftige etwa "an den Jacken von Motorradfahrern zupfen“. Aber selbst wenn das Zupfen anzipft, sind Zonen wohl kaum ein probates Mittel dagegen. Die KPÖ gibt zu bedenken, dass das Vorhaben eine Verlagerung nach sich ziehen und die Exekutive zusätzlich belasten würde. Nicht zuletzt könnte die Kriminalität ansteigen, wenn Bettler-Einkommen auf diese Weise gekürzt würden.

Vor Lampedusa ereignen sich derzeit humanitäre Tragödien. Angesichts der Aufregung um die Bettler sollte man sich vor Augen führen, mit welchen "Problemen“ wir es hier eigentlich zu tun haben. Aber vor allem wird Graz von den Umbrüchen, die sich auf europäischer und internationaler Ebene abspielen, nicht unberührt bleiben. Nagl & Co nutzen jede Gelegenheit, um Graz als weltoffene Stadt anzupreisen. Nur sieht man wieder einmal, dass sie es nicht ist. Die Bettler sind da und sie werden auch bleiben. An dem Umstand könnte man, auch wenn es zynisch klingen mag, spielerisch erproben, wie Weltoffenheit tatsächlich geht. Diese Offenheit werden wir hier bald benötigen.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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