"Das hatte man zu haben"

Wien hat ein neues Barockmuseum -im Winterpalais des Prinzen Eugen in der Wiener City

INTERVIEW: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Am Freitag eröffnet das Museum Belvedere eine neue Außenstelle. Es ist das Winterpalais von Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736), der seinerzeit in der kalten Jahreszeit vom Belvedere in die Innenstadt übersiedelte. Am ehemaligen Sitz des Finanzministeriums sollen zukünftig auch Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst stattfinden. Der Falter sprach mit dem Barock-Spezialisten des Museums, Georg Lechner, über die Qualitäten des Gebäudes, Heißluftöfen und barocken Lifestyle.

Falter: Was bekommen die Besucher im neueröffneten Museum des Winterpalais zu sehen?

Georg Lechner: Es wird eine Mischung aus Ausstellung und Schlossmuseum sein. Zur Eröffnung wird das Hauptaugenmerk dem einstigen Hausherrn gelten, dessen Biografie der Besucher nachvollziehen können wird.

Warum ist das Winterpalais des Prinzen Eugen architektonisch wertvoll?

Lechner: Das Grundstück war nicht leicht zu handhaben. Die Himmelpfortgasse ist eng, und es war ein altes Gebäude zu integrieren. Dem beauftragten Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach gelang es, ein lichtdurchflutetes Treppenhaus zu schaffen, an das die Enfilade der einzelnen Räume anschließt.

Was war das für eine Zeit, in der solche Palais errichtet wurden?

Lechner: Um das Jahr 1700 herum wurden viele Palais in Wien errichtet, etwa jene der Familien Liechtenstein und Daun-Kinsky. Über diese Zeit heißt es, dass in der Zeit nach der 2. Türkenbelagerung der Barock auflebte. Es kam zu vermehrter Bautätigkeit, man konnte sich wieder den schöneren Dingen des Lebens widmen. Es war eigentlich eine Art Gründerzeitstimmung. Architektonisch geprägt war diese Zeit von Fischer von Erlach und Johann Lukas von Hildebrandt, die auch das Winterpalais errichtet haben.

Warum hatten die Aristokraten sowohl ein Sommerpalais als auch ein Winterpalais?

Lechner: Das hatte man zu haben. Eine Stadtwohnung und ein Landsitz hat sich ja bis heute bei Leuten, die es sich leisten können, gehalten. Der sogenannte Winterpalast war der Hauptwohnsitz, beim Belvedere stand eher der Garten im Vordergrund. Wenn man alte Stadtpläne ansieht, wird dort nicht das Schloss, sondern der Garten als Besitz des Prinzen angegeben. Das war ein leicht zu erreichendes Naherholungsgebiet. Dort gab es auch die exotischen Pflanzen und die Menagerie - und damit zwei weitere Bereiche von Prinz Eugens Sammelleidenschaft.

Für Sommerhäuser braucht man eine andere Haustechnik als im Winter. Wie war das in der Barockzeit?

Lechner: Das Belvedere hatte nur offene Kamine, mit denen man Räume nicht wirklich heizen kann. Und die Gartensäle im Parterre waren überhaupt offen. Im Winterpalais gab es sowohl die für die formale Gestaltung wichtigen Kamine als auch Öfen. Man weiß aus Reiseberichten, dass es Heißluftöfen waren, eine damals innovative Technik. Der aus Bronze gegossene Figurenschmuck nach Entwürfen von Giovanni Giuliani hat mythologische Szenen wiedergegeben. Es wurde also darauf geachtet, dass auch die Prunkräume beheizbar sind.

Weiß man, was die Errichtung des Palais gekostet hat?

Lechner: Nein, es sind nur vereinzelte Rechnungen erhalten geblieben. Wir wissen nur, dass das Palais nach dem Tod von Prinz Eugen auf 100.000 Gulden geschätzt wurde, übrigens derselbe Betrag wie für das Belvedere und die Kunstsammlung. Diese 100.000 Gulden sind aber wohl nur ein Bruchteil dessen, was Eugen investiert hat.

Wie ist der Zustand der Ausstattung?

Lechner: Es ist im Allgemeinen eine österreichische Unart, die Patina des Alten nicht zu pflegen. Restaurieren hieß bis weit ins 20. Jahrhundert hinein: Nachahmen und Ersetzen ohne die Integration originaler Bestandteile. Das Winterpalais ist in einem verhältnismäßig intakten Zustand. Ab 1752 kam es zu Umbauten, die Maria Theresia angeordnet hat, da wurden viele Ausstattungsgemälde entfernt. Der Bibliothekssaal und die Galerie wurden durch Mauern unterteilt. Eine Decke wurde abgesenkt, wodurch das Deckenfresko heute im Verborgenen liegt. Dennoch kann man sagen, dass der ursprüngliche Status aufrechterhalten wurde. Das hängt auch damit zusammen, dass das Gebäude kein repräsentativer Sitz des Kaiserhauses war, sondern zum Teil als Dienstwohnung von Ministern genutzt wurde.

Winterpalais von Prinz Eugen, Open House: Fr bis So, ab 10.00


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