Wie anders war der heurige steirische herbst? Ein Rückblick mit Fragezeichen

STEIERMARK | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 42/13 vom 16.10.2013

Und dann ist sie wieder da. Die Beschaulichkeit des hiesigen Theaterlebens. Der steirische herbst ist vorbeigerauscht -geräuschvoll, aufregend, beeindruckend. Zurück bleiben Eindrücke neuer Ausdrucksmöglichkeiten. So war es. Immer schon. Aber wars auch heuer wie immer?

2013 hat das szenische Programm im "herbst" einen anderen Eindruck hinterlassen. Es ist nicht so sehr aus dem Rahmen gefallen. Kooperationen mit dem Schauspielhaus etwa haben bislang vor allem gezeigt, dass das Stadttheater mit der Frischzellkultur des Festivals nicht mitkann. Anders Boris Nikitins Probenbühnenarbeit "Sei nicht du selbst". Der kurzweilige Selbstversuch in theatraler Nabelschau hat ganz ähnliche Qualitäten wie seine "herbstliche" Umgebung: Er ist intelligent, unterhaltsam und trashig: Off-Theater eben. Wie es auch das Theater im Bahnhof, dieses Mal im Verein mit dem Gaststubentheater Gößnitz, unverkennbar unspektakulär zur Perfektion treibt. Oder die Performance-Künstlerin Ann Liv Young, die es zwar immer wieder schafft, dass sich das Publikum streckenweise richtig unwohl fühlt, die restliche Zeit jedoch glitzerndes Poptheater bietet. Nicht immer intelligent, aber unterhaltsam und trashig allemal.

Umso intelligenter "Kredit" von Daniel Kötter und Hannes Seidl: ein live nachvertonter Film zu den großen Fragezeichen hinter der Finanzmisere. Bleibt das große Fragezeichen hinter dem finalen Großereignis dieses Festivals: "Las Multitudes" von Frederico León: ein Märchenabend? Für 120 Laiendarsteller und Taschenlampen? Ein Projekt mit Bürgerensemble folgt jetzt auch am Schauspielhaus (siehe S. 53). Vielleicht kommt der frische Laien-Impuls diesmal von dort.


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