Theater Kritik

Ein Bubenstreich mit verheerenden Folgen

Lexikon | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Der Mann, der den Ersten Weltkrieg auslösen wird, ist ein netter Kerl von 19 Jahren. Wie viele junge Männer hat er große Ideale und wirre Gedanken im Kopf. Am 28. Juni 1914 erschießt Gavrilo Princip in Sarajevo Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gattin Sophie. 100 Jahre danach steht die ganze Saison im Schauspielhaus im Zeichen des Ersten Weltkriegs und dessen Folgen. Die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic steuert zum Schwerpunkt das Auftragswerk "Princip (Dieses Grab ist mir zu klein)" bei. Das Attentat beschreibt sie darin als Bubenstreich mit verheerenden Folgen.

Gavrilo (Martin Vischer) und sein dusseliger Kumpel Nedeljko (Simon Zagermann) sind Untermieter des etwas älteren Danilo (Gideon Maoz). Als Letzterer eines Tages mit Waffen nach Hause kommt, sind seine Mitbewohner sofort Feuer und Flamme: "Morgen müssen wir den Ferdinand umbringen!" Weltgeschichte von unten: Das Stück hat Charme und Witz, ist aber - trotz der betont nüchternen Inszenierung von Michal Zadara - nicht frei von der Patina des Historiendramas. Der vom Theater angekündigte "hochaktuelle Diskussionsbeitrag" ist es nicht wirklich; erst im Epilog wird der Bogen ins Heute geschlagen.

Auch im zweiten, stärkeren Teil interessiert sich Srbljanovic weniger für die weltpolitischen Folgen des Attentats als für das Schicksal der daran Beteiligten. In drei quälend intimen Gefängnisszenen sprechen jetzt Menschen zu uns, die nur noch lebende Tote sind. Hintermann Dimitrijevic (Florian von Manteuffel) bettelt in der Todeszelle um sein Leben; für Gavrilo und Nedeljo, deren Körper von Folter und Haft verstümmelt sind, wird der Tod eine Erlösung sein. Gestorben sind die Attentäter von Sarajevo in der Festung Theresienstadt, die den Nazis im nächsten Weltkrieg als KZ dienen wird. WK

Schauspielhaus, Mi, Do 20.00


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