Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Teufelspakte

aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Damals, 1992, dachte man tatsächlich, die Einführung des Privatradios stünde vor der Tür. Das sollte noch dauern (die Verzögerungstaktik des ORF half mit). Aber Wolfgang Lamprecht schien es angebracht, einen Blick auf die Medien der katholischen Kirche zu werfen, denn Bischof Kurt Krenn, der "in letzter Sekunde von der österreichischen Bischofskonferenz verhinderte Medienbischof“, liebäugelte mit einem katholischen Radiosender.

Wiewohl solches im Privatradiogesetz nicht vorgesehen war: Denn "Paragraf 9 des Privatradiogesetzes … schließt juristische Personen des öffentlichen Rechts, und die Kirche ist laut Konkordat als eine solche definiert, von einer Zulassung aus“.

Hier konnte eine Ausnahme erreicht werden, und Radio Stephansdom gehört heute gewiss zu den angenehmeren Erscheinungen der Privatradioszene. Bischof Krenn wiederum ist nicht mehr aktiv und kann seiner Art der Wahrheitspflege nicht mehr obliegen: "Über eine Anti-Krenn-Demo im Juni berichtete eine dem Bischof nahestehende Korrespondentin von Radio Vatikan, die Krenn-Anhänger hätten deutlich überwogen. Tatsächlich zählte die Polizei 15.000 Demonstranten gegen Krenn und 250 für ihn.“

Also, das ist wirklich lange her, dass das Volk gegen Bischöfe protestierte. Oder? Wirklich lange her ist es auch, dass es Streit bei den Grünen gab. Damals aber fädelte Pius Strobl eine Versöhnung zwischen Sepp Buchers bürgerlich-grünem VGÖ und den Grün-Alternativen von Peter Pilz und Madeleine Petrovic ein. Im Falter höhnte Werner Vogt: "Die Reanimation des Sepp Bucher zur Absicherung des grün-alternativen Sitzfleisches ist unappetitliche Packelei, mehr nicht.“ Die Grünen hätten Bucher schlicht eingekauft, schrieb Vogt, nie ein Freund des grünen Parlamentswesens.

Auf der gegenüberliegenden Seite antwortete ihm Peter Pelinka, der Zusammenschluss sei überfällig gewesen, die Grünen könnten sich nun darauf konzentrieren, "ihre Basis in Richtung sozialdemokratische, katholische und linksliberale Wählerschichten zu verbreitern“. AT


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