Kommentar  Museumspolitik

Chaos und Intransparenz im Winterpalais des Prinz Eugen

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Als vergangene Woche das restaurierte Winterpalais von Prinz Eugen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war wenig von Finanzen die Rede (siehe auch S. 36). Das ist insofern erstaunlich, als es sich um den ehemaligen Sitz von Finanzministerin Maria Fekter handelte, die ihre Prunkräume in ein Museum verwandelte.

Zum anderen ist es bei Museumseröffnungen selbstverständlich, dass Informationen über die Kosten des Projekts genannt werden. Bei der Eröffnung der Albertina im Jahr 2001 hieß es: 50 Millionen zahlt der Staat, 30 Millionen kommen von Sponsoren. Als die Kunstkammer des Kunsthistorischen heuer mit großem Trara aufsperrte, standen folgende Zahlen fest: 18 Millionen Bund, 3,5 Millionen Sponsoring.

Im frisch sanierten Winterpalais blieben viele Fragen offen: Wie groß ist der Brocken des Museums an jenen 140 Millionen Euro, die die Generalsanierung des Gebäudes kostete? Weder die Burghauptmannschaft Österreich (als Bauherr) noch das Finanzministerium konnte sagen, wie teuer die heimlichste Museumsgründung der Zweiten Republik war. Hätte das Projekt nicht wesentlich weniger gekostet, wäre die museale Widmung nicht erst im letzten Augenblick beschlossen worden?

Konservative Politikerinnen wie Maria Fekter sparen und privatisieren gern. Wo sind die Sponsoren? Und warum fördert das Geldministerium nun - am Kulturministerium vorbei - das Belvedere mit 2,55 Millionen jährlich? Warum wurde keine Ausschreibung gemacht, um den Betreiber mit dem besten Konzept zu finden? Der neue Glanz der Residenz beruht auf Intransparenz und Chaos, auf einer Planwirtschaft ohne Markt. Oder einer Marktwirtschaft ohne Plan.


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