Der Wucher mit dem sozialen Zweck

Politik | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Trotz horrender Kosten boomen die Pfandleihen. So wie das honorige Wiener Dorotheum

Reportage: Eduard Müller

Was haben Sie dafür bezahlt?“, tönt es aus dem Schlitz in der Plexiglasscheibe. Inmitten von Digitalwaagen, Lupen und Preislisten rubbelt der Schätzmeister mit einem Tüchlein an der Armbanduhr, dreht und wendet sie. Hier, am schlichten Pfandleiheschalter des Dorotheums in der Währinger Straße, verblasst der noble, in Weinrot getauchte Charme des übrigen Geschäftslokals.

"Mit Vollgas zum Bargeld“ prangt auf einem Plakat mit dem Bild eines VW Golf, "Wir beleihen auch Autos“. Der Schätzmeister blickt auf und sagt: "Also neu kostet die Uhr 1200 Euro, da können wir Ihnen so 260 in bar geben.“

Das Prinzip ist einfach: Man liefert einen Wertgegenstand ab und erhält einen Kredit. Zahlt man diesen nicht samt Zinsen in der vereinbarten Zeit zurück, wird er versteigert. Der Preis für die schnelle Liquidität? Insgesamt fallen im Dorotheum pro Jahr 30 Prozent Zinsen und Gebühren


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