Was die Muckraker aus aller Welt bei der Weltkonferenz in Rio lernten

Medien | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

:: Investigative Journalisten sind jene Kollegen, die, unter Dokumenten vergraben, alleine in einer Ecke der Redaktion vor sich hin recherchieren. Mit dem Klischee vom einsamen Wolf soll aufgeräumt werden - das ist das Ziel der alle zwei Jahre stattfindenden Weltkonferenz der investigativen Journalisten.

Vor zwei Jahren trafen sich 1000 von ihnen in einem alten Kino in Kiew, diesmal hielt man eine Art "Muckraker-Campus“ an der verwitterten päpstlichen Universität von Rio ab.

Ein paar Entwicklungen wurden in Dutzenden internationalen Vorträgen sichtbar: erstens: Seriöse Aufdecker müssen sich global vernetzen, um immer globalere Korruption zu enthüllen. Nur durch Kooperation erlangt man Wissen. Zweitens: Investigativer Journalismus braucht die Unterstützung von IT-Experten, da Informanten zunehmend Gigabytes an Daten vorbeibringen (Wikileaks, Offshore-Leaks, Snowden-Files) oder aber Regierungen zunehmend bereit sind, Daten herauszurücken, die es aufzuarbeiten gilt

Wie David Leigh, Aufdecker des Guardian, hervorhob, müssen Aufdecker auch lernen, mit all den "Hacktivists“ auszukommen, die ihre Daten in klassischen Medien aufbereitet wissen wollen, aber völlig anders ticken. Ihre Motive (totale Transparenz) sind mit den Zielen seriöser Journalisten (Gate-keeper) nicht immer vereinbar.

Spannend waren auch die Beiträge arabischer Enthüllungsjournalisten. Die Aufbruchsstimmung, die in Kiew nach der arabischen Revolution zu spüren war, ist totaler Resignation gewichen. Engagierte Journalisten, die über Korruption und Islamismus zu recherchieren versuchen, würden entweder von Muslimbrüdern oder von den gewendeten Politikern in den arabischen Staaten verfolgt und zum Schweigen gebracht. Ein ausführlicher Bericht erscheint demnächst im Falter.


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