Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Pop

Black Manna: Radio Manna

Wenn Manna die Himmelsspeise ist, ist Black Manna wohl ein Höllenfraß. Das gleichnamige Duo bilden der Elektroniker und Klang-Okkultist Dr. Nachtstrom sowie der stark dem Düsteren zugeneigte FM4-Moderator David Pfister. Gemeinsam betreiben sie akustische Geisterbeschwörungen; ihre atmosphärische Grätsche zwischen Klangforschung und mehr oder weniger verhuschter Popanwandlung erinnert ansprechend an menschenfreundlichere Spielarten der Früh-80er-Industrial- und Experimentalmusik. (Klanggalerie) gs

Live: Rhiz, 29.10., 22 Uhr

Jazz

J. Abercrombie Quartet: 39 Steps

Die Hitchcock-Referenz klingt nicht nur im Titel, sondern auch in Stücken wie "Vertigo“, "Spellbound“ oder "Shadow of a Doubt“ an. Worin genau der Bezug besteht, bleibt offen, denn auf schwindelerregende Suspense-Effekte wird verzichtet - was die Sache aber keineswegs unspannend macht. Genau hinhören muss man freilich schon, damit sich die Feinheiten dieses ostentativ unaufgeregten Albums erschließen. Lediglich der Standard "Melancholy Baby“ wird zart dekonstruktivistisch zerpflückt, ansonsten wird einem uneitlen, betörenden Flow gehuldigt. (ECM) KN

Klassik

Aurelia Shimkus: Scherzo

Wie beginnt die CD einer 15-Jährigen? So rasch wie möglich. Wie ein Wirbelwind fegen Aurelia Shimkus’ Finger in Schumanns 2. Klaviersonate über die Tasten. "Scherzo“ hat die Lettin ihr Debüt genannt; mit Ausnahme von Liszts "Scherzo und Marsch“ bezieht sich das auf die Einzelsätze aus Sonaten von Schumann und Beethoven. Es klingt mal leidenschaftlich, beinahe schon rauschhaft, mal tänzerisch und frohlockend. Zum Abschluss gibt es einen dämonischen Reigen à la Franz Liszt. Man darf neugierig auf diese hochbegabte junge Frau sein. (Ars Produktion) mda


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