Muss die Republik ein Kunstwerk zurückgeben, das auf 200 Mio. Euro geschätzt wird?

Feuilleton | Meldung: Matthias Dusini | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Die Erben der Sammlerfamilie Lederer haben beim Kulturministerium den Antrag auf Restitution von Gustav Klimts "Beethovenfries“ eingebracht. Dabei berufen sie sich auf das Kunstrückgabegesetz, das eine Retournierung geraubter Objekte aus Staatsbesitz auch für den Fall vorsieht, dass diese von der Republik angekauft wurden.

Im Jahr 1973 erwarb die Republik den berühmten Bilderzyklus für 750.000 US-Dollar von Erich Lederer. Die Rechtsvertreter der Erben, allen voran der Wiener Anwalt Alfred Noll, zweifeln die Freiwilligkeit dieses Geschäfts auf Seiten des Verkäufers an. Der Staat habe sich darauf verlegt, mithilfe des Ausfuhrverbots Erich Lederer das Kunstwerk abzupressen, heißt es dazu in einer Aussendung. "Man will mich in die Knie zwingen“, schrieb Lederer 1972 an Bundeskanzler Bruno Kreisky.

Gustav Klimt hatte den Fries für die XIV. Ausstellung der Künstlervereinigung Secession gestaltet, die im Frühjahr 1902 stattfand. Die Schau war als eine Hommage an den Komponisten Ludwig van Beethoven konzipiert und folgte der Idee des secessionistischen Gesamtkunstwerks; Architektur, angewandte Kunst und Skulptur sollten eine Einheit bilden. 1915 erwarb der Industrielle August Lederer den Bilderzyklus Klimts, der ursprünglich nach Ende der Ausstellung zerstört hätte werden sollen.

Der Beethovenfries ist heute Teil der Sammlungen der Österreichischen Galerie Belvedere, die das Werk der Secession als Dauerleihgabe zu Verfügung stellt. Er ist eine der touristischen Hauptattraktionen Wiens, mithilfe der Eintrittsgelder finanziert sich die Künstlervereinigung Secession zu wesentlichen Teilen.

Die Kommission für Provenienzforschung hat alle für die Beurteilung des Falles notwendigen Materialien zusammengetragen. Der Kunstrückgabebeirat wird dann im Laufe des nächsten Jahres darüber befinden, ob die Bedingungen für eine Rückgabe des auf 200 Millionen Euro geschätzten Kunstwerks erfüllt sind.


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