Stadtrand Urbanismuskolumne

Unverständlich, aber sehr verständnisvoll

Stadtleben | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Meistens versteht man ja nicht, was bei den Wiener Linien über Funk durchgesagt wird. "Leider“, knarzt es regelmäßig undeutlich aus lächerlich altmodischen Lautsprechern in Straßenbahnen oder an Haltestellen, "leider, krrrrrchh, krrrrrchhh, karrrrrrr.“ Gefolgt von einem fast nicht verständlichen "Verständnis“. Auch der betriebsinterne Funkverkehr zwischen Leitstelle und Chauffeur bleibt meist kryptisch; nicht nur, was die Inhalte betrifft: "Krrrrrrrchhh, knarrrr.“

Da war es schon erstaunlich, als unlängst im Morgenverkehr die Fahrerinnen und Fahrer in bester Tonqualität aufgefordert wurden, nach einer schwarzen Tasche Ausschau zu halten, die ein Fahrgast in einer Garnitur der Linie 43 hatte liegen lassen. Sämtliche 43er blieben stehen, Fahrerinnen und Fahrer verließen ihre Kabinen und machten einen Kontrollgang. Was für ein schönes Bild. Und es spricht für uns Morgenmenschen, wegen herrenloser Taschen und führerloser Straßenbahnen nicht gleich in Panik zu geraten. Stattdessen freuten sich alle über die erstaunliche Hilfsbereitschaft der Chauffeure.


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