Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Auf die Bäume!

Steiermark | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

So geht’s einem: Schwafelt man nur herum, passt’s nicht; redet man Tacheles, auch nicht. Dabei hatte Landeshauptmann Franz Voves nur zum Thema, ob die "Reformpartner“ wirklich "Drüberfahrer“ seien, gewohnt staatsmännisch geantwortet: "Wenn man wirklich jeden Menschen einzeln zu jedem Thema befragt - jede Blume, jeden Maikäfer, jeden Regenwurm müssten wir also in Zukunft fragen, denn so wird Direktdemokratie zur Zeit interpretiert -, dann kann ich nur sagen: Wir sind zu 60 Prozent bewaldet in der Steiermark. Wir haben also auf den Bäumen, wo manche wieder zurück hinaufwollen, genügend Platz.“ Gar grausig erscheint ihm laut weekend-Interview auch eine Mehrparteienkoalition. Bis zu vier Parteien sollen "echte Entscheidungen treffen“? Auch grüne "Fundis“, die das "neben dem Häkeln und Stricken“ tun?

Dass die Steiermark leicht in Richtung Absolutismus abdriftet, wussten wir schon. Aber so krass? Jetzt …

- ahnen wir, welche Bilder zumindest Voves vor sich hat, wenn von "Bürgerinnen und Bürgern“ die Rede ist (hübsch anzuschauen, aber beschränkt; Lästlinge; gemeine Nützlinge). Ein Glück, dass solch niedere Arten noch wählen dürfen;

- wissen wir nicht, was die Genossen in Wien und Kärnten über Voves’ Ausführungen denken: Sie treffen ja täglich mit grünen Stricklieseln, ja gar in unnatürlichen "Farbenkasteln“ (© Voves), echte Entscheidungen;

- wissen wir, dass es in der Steiermark einen Paradigmenwechsel gab: Glaubte ehedem die ÖVP, ihr gehöre das Land, so glaubt heute die SPÖ, es stehe rechtmäßig Rot und Schwarz zu. Eine andere Partei denkt ans Mitregieren? Rotzlöffel! Rauf auf den Baum, aber hurtig.


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