Doris Knecht  Selbstversuch

Irgendjemand muss es eben tun

Kolumnen | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Textaufgabe: Eine vierköpfige Familie hat im Garten 14 Apfelbäume, die zusammen 30.000 Äpfel tragen. Davon fallen an einem Wochenende 10.000 herunter und müssen zum Zwecke der Weiterverarbeitung aufgeklaubt und in elf Körben und zwei Scheibtruhen zwischengelagert werden. Frage: Wie viele Äpfel werden von den drei Familienmitgliedern, die keine chronische Rückenkrankheit haben, aufgeklaubt?

Richtig; setzen, eins. Zwischendurch kommt der Lange gemächlichen Schrittes vom Haus herbeispaziert. Er hält in gemessenem Abstand an, stemmt die Hände in die Hüften, lässt einen langen, sorgenvollen Blick über den Garten und zwischen den noch immer gespickten Apfelbäumen hindurchschweifen, seufzt und sagt: Pfoh, heuer sind es aber wirklich verdammt viele Äpfel. Man schaut vom fünfzehnten blattlvollen Korb zum Langen hoch und gibt ihm recht. Ja, heuer sind es wirklich verdammt viele Äpfel. Das wird morgen eine lange Saftpress-Session, sagt der Lange, wirft noch einen mitleidigen Blick auf mich und die Wiese und spaziert dann gemächlich zurück zum Haus, um das Feuer zu hüten. Jemand muss das tun! Und darauf die Backerln von einem glücklichen Ochsen namens Marshall in Rotwein schmoren und die Erdäpfel schälen fürs Püree! Ja!

Ich sag ja eh gar nichts. Das ist gut, dass das jemand macht, und ich werde mich über die Backerln sehr freuen, wenn ich hier fertig bin und im rechten Winkel zum Haus zurückgehe. Aber man hat ja zum Glück vor einem Jahr bei einer wöchentlichen Wirbelsäulengymnastik eingecheckt, was sehr viel brutaler ist, als es klingt, was einem wiederum zu einer stahlharten Rückenmuskulatur verholfen hat, was sich jetzt rechnet.

Sie rechnet sich auch, wenn man nach der Premiere vom Maurer in herausfordernden Schuhen bis Weltformel an der Bar und im Raucherschlurf umadumsteht. (Scheint sich auch im Langzeittest zu bewähren, wir bleiben dran.) Das neue Maurer-Stück heißt "Neues Programm“, sollte aber heißen "Thomas Maurer erklärt dir lustig die Welt, die Wirtschaftskrise und den Actionfilm als solchen“, und es ist sehr gut, unter anderem weil Maurer sich diesmal nicht lang mit Innenpolitik aufhält. Und es ist außerordentlich lustig und lehrreich. Und wie jedes Mal denkt man sich: Was für ein Privileg, dass man sich das in gemessenem Abstand vom Künstler im Dunkel des Publikumsbereichs und nicht schon zum Beispiel vor dem Frühstück anhören darf. Liebe Grüße ins untere Stockwerk, bei dem Weg.

Mit den Kindern haben wir am Wochenende, nach dem Saftpressen, aber auch etwas Lehrreiches unternommen. Wir waren im Internet und haben uns dort die permanente Fotoausstellung "Betrunkene Britinnen“ angesehen, wobei wir uns auch in das Kammerl "Betrunkene Briten und Britinnen, die sich öffentlich anpissen“ wagten. Die Mimis staunten stumm. Zwei- oder dreimal sagten sie: Bo, oag. Keines der Mimis sagte: Toll, das möchte ich einmal werden, wenn ich groß bin. Sehr beruhigend, doch.


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