Heidi List  Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Nöstlinger

Kolumnen | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Die Nöstlinger, die ist ja so super. Von ihr habe ich aus einem Zeitungsinterview den besten Erziehungstipp bekommen, nämlich den, die Kinder nicht zu erziehen. Und siehe da, aus den beiden Söhnen von einem eher sonderbaren Elternpaar entwickeln sich zwei erstaunlich fröhliche Leut. Man verbockt weniger, als man glaubt. Aus Christine Nöstlingers Biografie "Glück ist was für Augenblicke“ entnehme ich eine weitere wichtige Information. Sie habe nämlich den Eindruck, man habe zu ihrer Zeit freier und selbstverständlicher mal herumgepudert als heute. Man hat nur nicht so viel Wind darum gemacht. Die Freundschaften zu Männern wurden innerhalb und außerhalb der Beziehungen gelebt, wie es halt Mann und Frau machen wollen. Ob sich daraus ein One-Night-Stand, ein Lebensmensch, ein Ehemann oder nur ein Kumpel entwickelt hat, war wieder was anderes. Treue war etwas Wertvolleres, weil es weniger mit Verboten zu tun hatte. Nicht jeder erotische Funke ist ein Zeichen für den totalen Neuanfang im Alltag. Man muss nicht alles besprechen, sonst wird einem der Mund fransig. Und auch das Leben.


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