Tiere

Leben als Trauma

Kolumnen | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Was bisher geschah: Nach meinen ersten, eher kläglichen Versuchen, in meinem Biologiestudium mit jenen Studenten mitzutraben, die entweder mit Konrad Lorenz verwandt waren oder zumindest alle zehn Bände von "Grzimeks Tierleben“ auswendig kannten, fand ich Gefallen an den zahlreichen zoologischen Exkursionen.

Vögel zu beobachten erschien mir eine gottgewollte Beschäftigung für einen angehenden Zoologen, und so schloss ich mich einer Gruppe von Birdwatchern an. Kurz nach Sonnenaufgang schob ich mich also in einer Gruppe beeindruckender Ferngläser mit dazugehörigen Menschen durch den Wiener Wald. Wer glaubt, dass die zentrale Eigenschaft von Vögeln das Fliegen sei, der irrt. Diese fiedrigen Tiere sitzen vor allem in Busch und Baum, wo es gilt, sie wie in einem Vexierbild zu entdecken: Vogelgesänge könnten beim Lokalisieren helfen, doch wird Zwitschern meist von Geschnatter überdeckt. "Da, Doktor Duda, da sitzt ein Halsbandschnäpper!“ "Wo?“ "Da, links.“ "Ah, links, wo?“ "Na, da links oben.“ "Geh, das ist doch ein Buchfink!“ "Hinter dem Buchfink, da sitzt er. Sehn S’ ihn?“ "A geh, wo?“ "Jetzt isser weg. A Männchen war’s.“ "Na, der Buchfink war niemals nie a Mandl ...“ Ad infinitum.

Als flatterhafter Charakter suchte ich aufregendere Bereiche in der angewandten Tierkunde und fand sie auf Exkursionen ins Mediterrane.

Dort konnte man sich zum Beispiel durch eine Form unreflektierter Tollkühnheit profilieren, die erst viel später in der MTV-Serie "Jackass“ populär wurde. Johnny Knoxville führt dort am eigenen Körper vor, wie man sich als pubertierender, männlicher Jugendlicher bei sinnbefreiten Mutproben möglichst gefährliche Verletzungen zufügen kann. Also sprang ich als übermotivierter Student auf Kreta in uneinsehbare Schilfgestrüppe, um dort eine Schlange mit bloßer Hand herauszufangen.

"Sehr schön“, freute sich der zuständige Herpetologe, "da haben Sie eine Zornnatter erwischt.“ Nach kurzem Blick auf meine leise vor sich hinblutende Hand wandte er sich dann an die weniger Mutigen: "Ungiftig, wie Sie am halbkreisförmigen Bissmuster erkennen können. Die hier viel häufiger vorkommende Hornotter hinterlässt mit ihren Giftzähnen immer nur zwei Löcher.“

Details dazu, wie ich das Studium überlebte und 1000 Tiere alt wurde, gibt es am 15. November im Rabenhoftheater.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige