Katharinas Nachtwache

Crazy: das laute Servus einer Club-Institution

Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Partytimer | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Jahrelang haben wir unseren Uni-Stundenplan so eingeteilt, dass der Mittwochvormittag frei blieb, denn die Dienstagnacht war fürs Flex reserviert. Woche für Woche haben wir uns dort im Crazy die Füße wundgetanzt und nebenbei die Grundlagen von Minimal Techno und Konsorten zu verstehen versucht. Die wesentlichen Gesetze des Nachtlebens, wie man sich im Club bewegt, wie man smalltalkt, was man trinkt und wie man nach Hause kommt, all das haben wir hier gelernt, haben uns den Stempel von der Innenseite des Handgelenks beim Schlafen ins Gesicht abgedrückt und uns vor Aufregung verplappert, wenn wir einmal in die Backstage schauen durften.

Nun hat Gastgeber Rudi Wrany alias Crazy Sonic vom wöchentlichen Veranstalten genug und feiert am kommenden Dienstag gemeinsam mit dem deutschen Cheftechnologen Stephan Bodzin den Abschied seiner Partys in ihrer bekannten Form. Ganz verloren sind sie für die Stadt aber nicht, denn der Club wechselt vom wöchentlichen in den monatlichen Betrieb: Das nächste Crazy gibt es am 3. Dezember.

VORSCHAU

DONNERSTAG (24.10.): Die Blumen Group und Reboot Joy Confession zeigen im Celeste, wie das so geht mit der echten, guten Deephousemusik. In der Grellen Forelle loten bei der Wien-Modern-Eröffnungsparty Zirkus Maximus und Tingel Tangel die Grenzen zwischen zeitgenössischer Musik und elektronischer Tanzmusik aus, und im Zweitbester hüpft die Berliner Elektro-Popperin Dena. Watch out für die vermutliche Zugabe "Cheerleader".

FREITAG: Während in Graz das Elevate-Festival tobt, streunt man in Wien bei der Gürtelaffäre vom Weberknecht ins Loft, die Auslage oder das B72 zum Stelldichein von 37 heimischen DJs oder schaut im Café Leopold zu, wie die Londoner Snakehips von R'n'B über Trap bis Future-Bass allerlei Hippes in einen Topf werfen. Im Porgy & Bess gibt es ein Wiedersehen mit dem Club Supersonic und den alten Freunden Richard Dorfmeister und Rodney Hunter, Riva Starr beschwört in der Pratersauna die Geister von balearischem Lounge-House, und wer Crack Ignaz noch nicht kennt, geht ins Titanic und lernt seine Lektion in Sachen heimischer Hip-Hop-Aufsteiger.

SAMSTAG: Das Allerbeste: Der Katalane John Talabot zeigt sich bei e-nix in der Pratersauna erneut als feinsinniger Kenner und Vermischer von Disco, Pop und organisch-krautigen Formen von House. Im Loft kleckst indessen der französische Produzent Brodinski mit knalligen Electro-Bass-Farben.

DIENSTAG: Siehe oben: einmal noch Crazy dienstags im Flex. Cheers to that! seidler@falter.at

Katharina Seidler ist Musikjournalistin und Mitarbeiterin von FM4. Sie prüft die Beats und Partys der Wiener Clubszene


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