Kunst Kritik

Im Duett zurück zum rohen Pinselstrich

Lexikon | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Diese Bilder machen was her. Auf bis zu fünf Meter langen Leinwänden kommen aufgeblasene und fragmentierte Logos, Werbeaufschriften und Schlagzeilen mit gekritzelten und durchgestrichenen Buchstaben, Farbspritzern und Motiven wie Totenköpfen zusammen. Es steckt eindeutig mehr Jean-Michel Basquiat als Andy Warhol in den zwölf "Collaborations", die nun im Hauptsaal des Kunstforums hängen. Die Bilder entstanden zu Beginn der 1980er-Jahre, aber Gemälden wie "Emeralds" oder "Dogs" sieht man ihr Alter nicht an. In der Vergangenheit wurden diese Duette bereits in etlichen Ausstellungen präsentiert. Die Auswahl in "Warhol/Basquiat" stammt aus der Sammlung von Bruno Bischofsberger, der die Künstler seinerzeit als Galerist vertreten hat und auch die Kollaborationen einfädelte. Es handelt sich um ein Zehntel des Outputs, den die gemeinsame Pinselführung damals erbrachte.

Warhols Reklamebild "Storm Door" stellt mit Entstehungsjahr 1971 das älteste Bild der Ausstellung dar und es veranschaulicht, wie der späte Warhol -unter Basquiats Einfluss - noch einmal auf seinen frühen, rohen Malstil zurückgriff. Schade, dass das Kunstforum sonst an Einzelwerken nur Siebdrucke von Warhol zeigt. Ein spannendes Kapitel schlägt die Schau hingegen mit Basquiats Zeichnungen auf. Das Grafische stellte für den unter "SAMO" firmierenden Street Artist die Basis seines Werks dar. Er war ein Linienkünstler, der sich etwa für anatomische Darstellungen begeisterte, wie an zahlreichen der aktuellen Blätter deutlich wird. Musik spielt eine andere wichtige Rolle in Basquiats, die etwa in dem tafelgleichen Bild "Discography" dem Jazzer Charlie Parker huldigen. Eine Hörstation ermöglicht, in Black Music abzutauchen. Am Samstag werden ab 21.00 Filme gezeigt, sowie eine Performance der Dichterin Aja Monet. NS

Kunstforum, bis 2.2.


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