Eindringlich sprechende Farben bringt der "Lohengrin" an der Grazer Oper

Steiermark | Opernkritik: Herbert Schranz | aus FALTER 43/13 vom 23.10.2013

Richard Wagners "Lohengrin" (1848), die saisoneröffnende Produktion der Oper Graz, macht großen Eindruck, schon wenn man sie entlang ihres Farbenspiels in Bühnenbild (Kaspar Glarner) und Kostümen (Christian Lacroix) verfolgt. Eine klare, subtile Bildsprache verbindet sich glücklich mit der klassisch ausgereiften, detailreichen Regie von Johannes Erath. Auch sängerisch und musikalisch bleiben kaum Wünsche offen.

Die Thronfolge im mittelalterlichen Brabant entscheidet sich zwischen der christlichen weißen Macht Elsas (Sara Jakubiak), für die Lohengrin (Johannes Chum) streitet, und der schwarzen, kriegerischen Welt des Grafen von Telramund (Anton Keremidtchiev), die machtvoll aus dem Hintergrund von der zauberkräftigen Urgermanin Ortrud (Michaela Martens) gelenkt wird. Deren Kleider schillern in fast schwarzem Grün, dem pflanzlichen Auswuchs der moorschwarzen Wälder, die die leuchtend weiße Zivilisationsplattform zu verschlingen drohen, auf der Elsa und Lohengrin Hochzeit feiern. Das mit Blindheit (Augenbinden) geschlagene Volk -der erweiterte Grazer Opernchor mit leuchtender Stimmkraft -trägt Schwarz oder sichtbar darüber gestreiftes Grellweiß mit exaltierten Modeapplikationen: Das Volk dreht sich wie die Fahne im Wind, es drapiert sich Ideologisches äußerlich. Diese weißen Draperien formen schließlich den mit Lohengrin entschwindenden Schwan. Zurück bleibt eine entzauberte Welt ohne Himmel, die nackte Erde Ortruds. Den allseits starken sängerischen Charakterausprägungen begegnete das von Julien Salemkour zügig geleitete Philharmonische Orchester annähernd auf Augenhöhe.

Oper Graz, 24.10. um 18.30, So 15, Mi 18.30


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