Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Wenn die Fetzerln fliegen

Steiermark | aus FALTER 44/13 vom 30.10.2013

Oliver Mally, steirischer Singer/Songwriter und Bluesmusiker, hat sich vor Jahren den Titel "Sir" verliehen. Lange schon kann man sich auf seiner Homepage sir-oliver. com über sein Schaffen schlaumachen. Vor einiger Zeit hat die Modemarke s.Oliver, international agierend mit Sitz in Deutschland, bei Mally angeklopft und ihr Interesse bekundet, ihm seine Domain abzukaufen.

Als er sich weigerte, seinen Internetsitz abzutreten, weil das finanzielle Angebot seiner Meinung nach "eine Frechheit" war, wie er dem Falter erzählte, drohte der Bekleidungshersteller mit Klage. Ein harsches Vorgehen für einen Konzern, der, wie selbstredend jeder Bluesmusiker, für "Aufrichtigkeit und Authentizität" steht.

Jedenfalls hat sich der "Sir" nicht einschüchtern lassen und sich einen Anwalt genommen. Eine Zeitlang hörte er nichts von seinen Namensvettern, und da es ihm Sorge bereitete, wie sie weiter vorgehen würden, trat er mit der Malaise an die Öffentlichkeit. Und siehe da, nach Medienberichten und Aufregung auf Facebook entschuldigte sich das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite - den Verantwortlichen war "die emotionale Bindung Herrn Mallys zu seiner Domain nicht in vollem Ausmaß bewusst". Und dass sie eh schon seit geraumer Zeit kein Interesse mehr an der Domain hätten, war einer Stellungnahme gegenüber dem Falter zu entnehmen.

Das hätte man Herrn Mally netterweise auch persönlich durchfunken können, dann hätte er nicht den Blues bekommen. Die Anwaltskosten muss er natürlich selbst tragen. Das Unternehmen könnte Mally als Entschädigung mit seinen Stoffen winterfest machen. Aber der "Sir" würde wohl die Fetzerln gar nicht tragen wollen.


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