Enthusiasmuskolumne Diesmal: Der beste Viennale-Stargast der Welt der Woche

Die schnellste Unterhose von Monte Carlo

Feuilleton | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 44/13 vom 30.10.2013

Schottland und Österreich haben einiges gemeinsam. Das raue Klima, den eigenwilligen Dialekt und die für so kleine Länder ungewöhnlich große Anzahl an Formel-1-Weltmeistern. Österreich hatte Jochen Rindt und Niki Lauda, Schottland Jim Clark und Jackie Stewart.

Letzterer war am Montagabend Stargast bei der Viennale. Im Gartenbaukino wurde eine erweiterte Neufassung der Dokumentation "Weekend of a Champion" gezeigt, die Stewarts Buddy Roman Polanski 1971 beim Grand Prix von Monaco gedreht hatte. Die Kameras begleiteten Stewart während des gesamten Rennwochenendes.

Man ist wirklich hautnah dran, wobei die Bilder deutlich machen, dass man der Formel 1 damals grundsätzlich näher war als heute. Unglaublich, wie viele Leute da während des Rennens am Streckenrand herumstanden!

Die Rennszenen sind ebenso beeindruckend wie der feine Schnurrbart von Graham Hill, die beste Szene aber spielt im Hotelzimmer: Stewart sitzt in der Unterflak beim Frühstück und demonstriert Polanski auf dem Tischtuch mit einer Zündholzschachtel, wie man in Monte Carlo richtig um die Kurve fährt. Großes Kino!

Die Familie Stewart ist an diesem Viennale-Abend vierköpfig vertreten.

Neben Sir Jackie und seiner hinreißenden Frau, Lady Helen, sind auch Sohn Mark, ein Filmproduzent, und Enkel

Marcus anwesend. Der dreifache Weltmeister Jackie Stewart erweist sich beim Publikumsgespräch dann auch als Champion des Smalltalks.

Der 74-Jährige schüttelt ein paar großartige Anekdoten aus dem Ärmel. Etwa wie er nach einem Unfall nackt am Streckenrand lag und drei Nonnen des Weges kamen. Oder wie er beim Grand Prix von Frankreich 1969 unabsichtlich die inzwischen obligatorische Champagnerdusche bei der Siegerehrung erfand. Cheers, Sir!


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