Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 44/13 vom 30.10.2013

Pop

Koenigleopold: Eure Armut kotzt mich an

Jazz ist anders? Nö, das trägt schon noch einiges an Jazzwerkstatt in sich, was das als Internet-Überraschung bekannt gewordene Duo Koenigleopold auf seinem Debüt treibt. Aber es klingt auch stark vom retrofuturistischen R&B-Entwurf einer Erykah Badu beeinflusst. Krasser Vorstadt-Rap ("Wir brauchen mehr Frauen in technische Berufe!") trifft auf Ausflüge in schräges Heimatlied, und gegen Ende darf in der "Südsee von Palermo" gar die EAV wiederauferstehen. Mal witzig, mal albern, mal irre, mitunter schlichtweg genial. (Jazzwerkstatt) SF Live: 2.11., 20 Uhr, RKH

Pop

We Walk Walls: Ceremonies

Hinter dem unscheinbaren Cover versteckt sich hier ein hübsches Wiener Popdebüt. We Walk Walls kommen vom Indiepop, und auch die eine oder andere Neo-Folk-Platte hat man gewiss gehört. Aktuell steht dem Quartett der Sinn aber nicht nach Schmollmund und Melancholie, sondern nach Euphorie und Tanz. Von "Disco" zu sprechen wäre übertrieben; angetrieben von Synthesizer, Bass und Schlagzeug ist der Rhythmus aber eine bestimmende Kraft dieses angenehm kompakt gehaltenen Albums. Schön, dass die Melodien dabei nicht zu kurz kommen. (Wohnzimmer) GS

Pop

Fuckhead: Avoid Nil

25 Jahre Fuckhead: Zum Jubiläum gibt es nach langer Pause wieder ein neues Album, die Aktivitäten haben sich zuletzt doch stark aufs Performative konzentriert. Umso unerwarteter kommt diese akustische Gnackwatschn. Die Musik ist nicht so ausgearbeitet wie bei "Video Arena" (1994), nicht so avanciert wie bei "The Male Comedy"(1999), aber dafür schiebt der Sound ordentlich. Brachiale, Feingeister auf Distanz haltende Beats überwiegen, manchmal erlaubt sich Sänger Didi Bruckmayr auch einen Kunstlied-Moment. Erfrischend wie ein Säurebad. (Noise Appeal) SF


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