Die nach den Sternen greifen: im Drehgefährt mit rotem Kopf in die Schwerelosigkeit

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 44/13 vom 30.10.2013

Okay, Österreich hat Franz Viehböck. Der "Austronaut" flog 1991 für eine Woche ins All. Seit damals ist hierzulande von Raumfahrt wenig zu hören, obwohl etliche heimische Unternehmen Spezialtechnik zuliefern. Viehböcks Raumanzug hängt nun in "Space - Die Weltraumausstellung", in der das Technische Museum das Thema von frühen astronomischen Visionen bis zur Erkundung des Mars sehr grundsätzlich angeht. Als Publikumsmagneten locken interaktive Stationen. Bei "Bottle Rocket" etwa kann man pumpen, um Druck in einer kleinen Plastikrakete zu erzeugen. Die Übung soll den Rückstoß als Antrieb veranschaulichen - manche Besucher scheinen es aber für eine Kraftprobe à la Prater zu halten. Daneben werden mittels Knopfpunkt Positionen von Erde und Mond zur Sonne simuliert. Eine antike Prunkuhr von 1555 zeigt noch die Erde als Zentrum des Planetensystems.

Den Stolz der Schau stellt aber der "Space Curl" dar, ein dreiachsiges Trainingsgerät der Nasa, das auch ein wenig Schwerelosigkeit vermittelt. Wer das Warten in der Schlange durchhält, wird an Füßen und Becken fixiert. Das selbstgesteuerte Kreisen führt auch zum Kopfstand und ist nicht unanstrengend. Keinen roten Kopf bekommt, wer den Miniatur-Mars-Rover durch eine Pseudo-Marslandschaft lenkt oder als Raumpilot eine Rakete mittels Steuerdüsen andockt.

Das Ausstellungskapitel zum Astronautenalltag umfasst auch ein Raumstationsklo und erklärt dessen Bedienung. Oberschenkelmanschetten verhindern mittels Abschnürung, dass den Astronauten zu viel Blut in den Kopf rauscht. Welche Haushaltsprodukte wir der Raketentechnik verdanken, kann über ein Ratespiel erkundet werden. Die Pioniere der Raumfahrt stellen eines der spannendsten Themen der dichten Schau dar. Bereits 1919 beschrieb der österreichische Erfinder Franz Abdon Ulinski ein Raumfahrzeug, das durch Sonnenkraft und Ionenenergie fliegen sollte. Viele Raketenpioniere arbeiteten später für die Nazis. "Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension", meinte Raketeningenieur Wernher von Braun später zur Herstellung der Raketenwaffe V2 durch Zwangsarbeiter.

Technisches Museum, bis 29.6.2014


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