Nüchtern betrachtet

Reichte man mir einen Baseballschläger im 38A

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 44/13 vom 30.10.2013

Meine Lieblingsstadt London wird überwiegend von Perversen, Psychopathen und Triebtätern, von perversen psychopathischen Serienkillern sowie von hochbegabten Mörderinnen bewohnt, die hin und wieder jemanden umbringen, um den's jetzt nicht so ganz arg schad ist. Zu diesem Schluss muss man jedenfalls kommen, wenn man "Luther" schaut. Nachdem wir rund 4000 Minuten "Boston Legal" absolviert haben, ist "Luther" derzeit die Konsensserie, die es meiner Familie erspart, beim Abendessen Konversation machen zu müssen (die zivilisatorische und friedensspendende Macht des Fernsehens wird entschieden unterschätzt!).

Serienästhetisch und sexappealmäßig betrachtet sind größere Gegensätze kaum denkbar. "Boston Legal" ist superlustig, "Luther" hingegen dermaßen düster, dass man statt der üblichen Karaffe Holunderblüteningwerminzesprudel, der in unseren Kreisen zum gediegenen TV-Dinner gehört, besser einen Krug Büffelgraswodka bereitstellt. "Boston Legal" wird von zwei anzugtragenden Göttern

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