Beisl Der steirische Gourmet

Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Steiermark | Beisltest: Günter Eichberger | aus FALTER 44/13 vom 30.10.2013

Michael Kramer, der Inhaber der "Erbse", ist Künstler. Die Wände in seinem kleinen vegetarischen Lokal hat er mit Farben bemalt, die er aus Gewürzen gemischt hat. Die rohen Holztische erinnern an Werkbänke. Als künstlerischen Akt sieht er auch das Kochen. In solchen Fällen ist für gewöhnlich Skepsis angebracht, denn Anspruch und Wirklichkeit klaffen gerne auseinander. Die pürierte Erbsensuppe (€ 2,40) ist eine unprätentiöse Angelegenheit und schmeckt einfach gut. Das Hokkaido-Curry ist am späten Nachmittag leider schon aus. Wer das Tagesgericht ergattern möchte, muss mittags kommen. Der Wrap-Teller (€ 6,70) ist lauwarm, hat aber eine herzerfrischende Füllung mit Tofu, Chili, Apfel, Champignons und Mango.

Seine Berufung zum Koch hat Kramer in Indien erfahren, wo ihm Essen zum spirituellen Erlebnis wurde. Das Sabich-Sandwich (€ 5,90) verschafft uns solche Metamorphosen leider nicht, die zähen Melanzani lassen uns nicht vom Boden abheben, auch stellt sich die Frage, warum auf Mayonnaise nicht verzichtet wurde. Da die Erbse als Imbisslokal geführt wird, darf kein offener Wein ausgeschenkt werden. Die veganen Brownies (€ 2,90) sind nicht bewusstseinserweiternd.

Resümee

Aus dem Hummus kann noch etwas gedeihen. Es muss ja nicht gleich Kunst sein. Wer einen der drei Tische reservieren möchte: Telefon gibt es noch nicht.

Die Erbse international

Griesgasse 4, 8020 Graz, Mo-Do 11-21, Fr-Sa 11-2 Uhr


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