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Politik | STEFAN HAYDEN | aus FALTER 44/13 vom 30.10.2013

Nestbeschmutzer im Kanzleramt "Dieser Wahlkampf hat Wunden hinterlassen", musste Willy Brandt angesichts der Angriffe seiner konservativen Widersacher eingestehen. Im restaurativen Klima der deutschen Nachkriegsgesellschaft hatten sie versucht, den von den Nazis verfolgten Widerstandskämpfer als uneheliches Kind, Vaterlandsverräter und Nestbeschmutzer zu brandmarken.

Die faszinierende Lebensgeschichte des "norddeutschen Arbeiterjungen" aus Lübeck, der als erster sozialdemokratischer Bundeskanzler und Träger des Friedensnobelpreis die Aussöhnung mit dem Osten suchte, beschreibt der langjährige Spiegel-Politikchef Hans-Joachim Noack. Er berichtet zugleich von seinem Zorn und seiner Zuneigung zum Politiker und vom schwierigen Charakter Brandts, der 2013 100 Jahre alt geworden wäre. Brandts Auftritte als hochgeachteter Friedenspolitiker auf internationalem Parkett -auch nach der Kanzlerschaft -bezeichnet Noack als "Flucht in die große weite Welt". Das war noch vor der Zeit, in der Politiker ihren Kanzlerbonus für lukrative Beraterjobs eintauschten.

Hans-Joachim Noack: Willy Brandt. Ein Leben, ein Jahrhundert. Rowohlt, 352 S., € 20,60


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