Stadtrand Urbanismuskolumne

Macht Platz für unsere Zukunft!

STADTLEBEN | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Neulich morgens in der U4: Der Waggon ist bereits so voll, dass man sich kaum noch rühren kann. Die Passagiere stöhnen und ächzen, verdrehen die Augen bei jedem neu Zusteigenden. Als wieder die Türen aufgehen, steigt eine Gruppe von Kindergartenkindern zu: Etwa zehn Drei-bis Fünfjährige drängen zur Tür herein, und die Kindergartentante ruft laut: "Bitte alle aufstehen, ich habe hier ganz viele kleine Kinder." In den meisten Ländern der Welt wird auf kleine Kinder Rücksicht genommen. Man erfreut sich sogar an ihnen. Zumindest hilft man, denn dass sich die Zwerge noch nicht so gut auf den Beinen halten können, ist auch klar. Nicht so in Wien - Wien ist hier wieder mal anders, hier provoziert die Bitte lautstarken Protest. Wer nicht protestiert, der ignoriert. Lediglich drei Männer und eine Frau stehen auf und machen den Kleinen Platz.

Während der Kindergärtnerin sichtlich der Angstschweiß ausbricht, hört man Leute murren, vonwegen "Frechheit" und "können die nicht zu einer anderen Uhrzeit fahren". Nein, können sie nicht, auch Kleinkinder haben schließlich Termine.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige