Verzichten wir doch auf Kontrolle!

Macht uns Qualitätsmanagement stets besser? Nein, sagt der Philosoph Martin Hartmann

POLITIK | INTERVIEW: JOSEPH GEPP | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Kaum etwas wird derzeit in der Wirtschaftswelt und Gesellschaft so vehement gefordert wie Vertrauen - und bleibt zugleich so vage und unkonkret. Der Hamburger Philosoph und Soziologe Martin Hartmann, der an der Universität Luzern lehrt, hat dem Phänomen seine Karriere gewidmet und vielgelobte Bücher darüber verfasst. Der Falter traf Hartmann bei einem Vortrag, den er auf Einladung der PR-Agentur Gaisberg in Wien hielt.

Falter: Herr Hartmann, was heißt das eigentlich, Vertrauen?

Martin Hartmann: Vertrauen ist etwas, das Mut braucht. Wenn ich Vertrauen habe, räume ich meinem Gegenüber Spielräume ein, in denen ich auf Kontrolle verzichte. Potenziell kann er sie auch in einer Weise nützen, die mir Schaden zufügt.

Dies ist etwa im Vorfeld der Bankenkrise geschehen, wo das Vertrauen vieler Kunden missbraucht wurde. Andererseits beklagen heute viele Kritiker eine Art Kontrollwahn in der Gesellschaft, der angeblich auf die alte Naivität folgt. Welche Seite hat recht?

Hartmann: Wohl beide.


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