Neue Bücher

Peter Weiss zum Nachhören, NDW zum Nachlesen

FEUILLETON | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Mit der Literatur von Peter Weiss hat sich Karl Bruckmaier schon vor sechs Jahren einmal beschäftigt und ein Meisterwerk in der jüngeren Geschichte des Hörspiels geschaffen: Weiss' "Die Ästhetik des Widerstands" wurde vielschichtig und mit großartigen Sprechern in ein anderes Medium übersetzt. Robert Stadlober war einer der an diesem Projekt beteiligten Sprecher und ist nun auch bei einer zwar weniger aufwendigen, aber nicht minder ambitionierten Produktion dabei. "Abschied von den Eltern", erschienen 1961, ist eine autobiografische Erzählung, die mit schmerzhafter Genauigkeit die unglücklichen, verworrenen, grausamen Beziehungen innerhalb einer Familie seziert. Diese Prosa von Stadlober gesprochen zu hören - durchsetzt von knirschenden, die Erinnerungsreibungen hörbar machenden Sounds der Band The Notwist - ist wirklich ein besonderes Erlebnis: in seiner Dringlichkeit so berührend, dass man kaum wagt, den Pausenknopf zu drücken. UR

Das Standardwerk zur NDW, das in der Einleitung zur Ausgabe von 2007 noch gefordert wurde, ist das nun neu aufgelegte "Als die Welt noch unterging" mittlerweile womöglich selbst. Dem Gegenstand ist es in Sachen Unkonventionalität immer noch angemessen. Aus der ausgewiesenen Perspektive des faszinierten "Zuspätgekommenen" grenzt sich Schneider gegenüber den Nostalgie-und Heldenerzählungen der verschiedenen jüngeren Punkund Neue-Deutsche-Welle-Revivals ab und versucht stattdessen, die Bedingungen des Übergangs von Punk zur frühen NDW zu erfassen. Seine Gedanken zum Medium Kassette, zur Fanzinekultur und zum Eintritt der deutschen Sprache in die Popkultur sind durchwegs klug. Getragen aber wird das Buch vom punkigen Unterhaltungswert einer regellosen Kulturwissenschaft, die hier mit als Thesen getarnten Sprachfeuerwerken à la "Der deutsche Krautrock war ein Love-in von V-Effekten" zu überzeugen vermag. NS


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