Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Und das soll Graz nicht schaffen?

STEIERMARK | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Zwei Jahre lang lebten mitten in Graz 50 rumänische Roma teils durchgehend in Abbruchhäusern, selbstgezimmerten Verschlägen oder im Freien. Auch Babys. Im September hielt es Vinzi-Pfarrer Wolfgang Pucher nicht mehr aus: Eltern schulpflichtiger Kinder erklärte er, sie müssten diese in ihrer Heimat in die Schule schicken. Den anderen gewährt er seither Unterschlupf im Pfarrhaus. Auf die Dauer schafft er das aber nicht. Daher appellierte er nun an die Stadtpolitik, den Leuten zu helfen, sich hier ein Leben aufzubauen. Doch quer durch die Parteien sagen alle nein: Sie sollen heimgehen, Rumänien soll was tun. Wer weiß, wie viele sonst noch kämen?

Aber Pucher hat recht: Jene, die schon zwei Jahre ausharren, werden ohnehin bleiben. Quer durch Europa scheitern Projekte für Roma immer wieder auch daran, dass sie ohne die Betroffenen geplant wurden. Hier aber haben sich ein paar aufgemacht, um sich ein besseres Leben aufzubauen. Einige gehen längst einer regelmäßigen Arbeit nach. Will die Menschenrechtsstadt Graz wirklich zuschauen, wie sie wieder im Dreck hausen?

Nein, Graz braucht nicht alle europäischen Roma zu retten. Dass Hilfe für einige nicht gleich weitere Heerscharen nach sich zieht, sehen wir am Beispiel der Roma aus Hostice, die seit 1996 nach Graz pendeln. In gleichbleibender Zahl, keine anderen slowakischen Roma kamen nach. Dass Jahre später ein paar aus Rumänien zu uns fanden, ist europäische Normalität. Es gilt auch die Dimensionen zu relativieren: Aus Hostice sind nie mehr als 60 Leute gleichzeitig in Graz. Jetzt kommen zwei, drei Dutzend rumänische Roma dazu. Das soll die 270.000-Einwohner-Stadt Graz nicht bewältigen können? Aber geh.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige