Der Ministerialrat der Tiere

1000 Falter-Kolumnen in 20 Jahren: der Biologe Peter Iwaniewicz entlarvt den Menschen, indem er über Tiere berichtet


HOMMAGE: FLORIAN KLENK
STADTLEBEN | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Vor 20 Jahren erreichte den Falter ein mysteriöser Brief. Im Umschlag lag ein Weißfleck-Widderchen. Das Tier war tot. Die Redaktion, so teilte der verstimmt wirkende Absender dem Chefredakteur mit, hätte die Chance gehabt, alles über das Leben und Sterben dieses Tieres zu erfahren. Doch leider habe die Zeitung kein Interesse am Schicksal jener Wesen gezeigt, nach der sie benannt sei.

Warum die Schmetterlinge der Gattung Amata phegea in Wien zu tausenden von den Bäumen regneten, werde der Leser nie erfahren. Sein Angebot, eine Tierkolumne zu schreiben, so murrte der Autor des Briefes, liege ja leider schon seit drei Monaten unbeantwortet in der Redaktion.

Armin Thurnher zerrieb das Weißhorn-Widderchen zwischen seinen Fingern. Dann griff der Falter-Chefredakteur zum Hörer und gab Peter Iwaniewicz eine Kolumne. Nein, die Redakteure waren anfangs nicht begeistert davon. Tiere, sagten sie, seien doch kein urbanes Thema. Tiere hätten in einer Stadtzeitung nichts zu suchen. Die Redakteure

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