Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Apfelschalentee

Eine Heißlimonade, die zart schmeckt und Platz schafft

MS | STADTLEBEN | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Wer es zurzeit mild-aromatisch liebt und der Askese nicht abgeneigt ist, für den kommt unter Umständen der Apfeltee infrage. Da gibt es entweder die überzuckerte Instantvariante, die gerne beim türkischen Schnellimbiss ausgeschenkt wird, oder den merkwürdig schalen Teebeutel der Firma Teekanne. Die dritte und beste Form -man staune - kommt vom Apfel selbst (garantiert ohne künstliche Aromastoffe). Er ist das Near-Water-Produkt unter den Heißgetränken. Dafür braucht es lediglich einen Apfel, ein Messer, heißes Wasser und womöglich das Süßmittel des Vertrauens. In diesem Fall nehme man nicht das Fruchtfleisch, sondern lediglich die Außenhaut. Wer die Herausforderung im Alltag liebt, kann versuchen, die Schale so zu entfernen, dass ein langes Band entsteht. In der Jenaglas-Teekanne sieht das besonders hübsch aus. Man sollte das Ganze mindestens zehn Minuten ziehen lassen, damit der hauchzarte Apfelgeschmack zur Geltung kommen kann.

Dieser Tee hat auch einen sehr praktischen Aspekt, besonders für jene Eltern, die bereits entnervt aufgegeben haben, ihre Kinder für ungeschälte Äpfel zu begeistern. So können sie elegant verwertet werden, sofern die lieben Nagetiere im Käfig nicht bereits damit versorgt wurden. Diese Heißlimonade kommt auch bei den größten Skeptikern gut an. Mit der richtigen Dosierung Honig, Zucker oder Agavendicksaft kann man sich sanft in die weihnachtliche Stimmung schwingen und Platz schaffen für die bevorstehenden Fressorgien.


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