Gelesen Bücher, kurz besprochen

Umbruch in der islamischen Welt

POLITIK | STEFAN HAYDEN | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Ben Ali, Mubarak und Gaddafi saßen noch am Thron, als der iranische Soziologe Asef Bayat revolutionäre Umwälzungen im Nahen Osten beschrieb. Für manche gilt sein Buch als prophetisch. Im Grunde aber kreist Bayats Schrift um den Begriff des Revolutionären. Um die Frage: Wie wird Umbruch organisiert? Der Autor verwendet die etwas unglückliche Bezeichnung "Refo-lution": Gemeint ist damit eine revolutionäre Bewegung, die ein Regime zu Reformen zwingen soll; die aber auch ständig der Gefahr einer Konterrevolution ausgesetzt ist.

Im ersten Teil des Buches beschreibt Bayat aber zunächst den Ursprung dieser Bewegungen. Den Aufschrei von Normalos in ihrem Alltag; gegen den Würgegriff eines autokratischen Herrschers, der an jeder Straßenecke, auf der Gerichtsbank und im Klassenzimmer zu spüren ist. Er zeichnet die anschwellende Unzufriedenheit nach, die sich etwa in Kairoer Teestuben ebenso wie in digitalen Räumen organisierte.

In einem ergänzenden Kapitel beschreibt Bayat dann das Dilemma der realen "Refolutionen" in Ägypten und Tunesien. Man müsse die arabischen Aufstände als "lange Revolution" betrachten, die möglicherweise erst in zehn oder 20 Jahren Früchte tragen werden.

Asef Bayat: Leben als Politik. Wie ganz normale Leute den Nahen Osten verändern. Assoziation A, 340 S., € 18,50


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