Die Schwestern, der Fisch, ihre Mutter und deren Liebhaber

FEUILLETON | FILMKRITIK: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

In seinem jüngsten Film erzählt Götz Spielmann die Geschichte zweier Schwestern. Sonja (Nora von Waldstätten) ist Schauspielerin in Berlin, Verena (Ursula Strauss) lebt mit Mann und Kind beim herzkranken Vater im aufgelassenen Dorfgasthof der Familie. Und natürlich ist nichts so, wie es scheint: die Schauspielerei nicht nur Glamour, sondern einsame Knochenarbeit, das Familienleben durch die heimliche Liebe zum zugereisten Landarzt bedroht. Die assortierten Geheimnisse und Lügen kollidieren, als Sonja für ein paar Tage wieder nach Hause kommt.

"Oktober November" ist ein Film für herbstliche Gemüter. Er behauptet Stille, lässt die Charaktere aber pausenlos vor sich hin plappern. Nichts bleibt ungesagt, jede noch so offensichtliche Regieidee wird erklärt. "In manchen Dingen bleibt ma immer a Kind", bemerkt Verena, als sie sich mit ihrer Schwester zum Rauchen aus dem Haus schleicht. Es sind diese Plattitüden, die auf Dauer auch die Inszenierung des Films zu affizieren scheinen. Wiederholt flüchten die Schwestern zwecks Selbstfindung in die Küche oder ins Designerbadezimmer. Währenddessen schnappt -Zwischenschnitt -wiederholt ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft.

Seinen parodistischen Höhepunkt erreicht "Oktober November" während Sonjas Erstbegegnung mit ihrem leiblichen Vater, die von dessen Sekretärin unterbrochen wird: "Herr Direktor, die Herren aus Kasachstan sind da." Man kann Spielmann zugutehalten, dass Männer hier -in Umkehrung des klassischen Erzählkinos -bloß Nebenrollen spielen. Wie diese geschrieben sind, steht freilich auf einem anderen Blatt. So überzeugend Strauss und von Waldstätten agieren, so wenig überzeugt "Oktober November" als "episches Kammerspiel". Ganz im Gegenteil hat der Film seine lebendigsten Momente, als plötzlich ein Rudel Wallfahrer einfällt. "I glaub, wir können bald servieren", weiß man in der Küche, "sie sind schon bei der dritten Strophe."

Ab 8.11. in den Kinos


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