Kommentar Kulturpolitik

Zoff im Leopold Museum: Wo liegt der Hund begraben?

FALTER & MEINUNG | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Der Streit um das Leopold-Museum ist nicht leicht zu verstehen (siehe auch S. 24). Einer der beiden Direktoren war an der Gründung einer Stiftung beteiligt, ein anderer trat deshalb zurück.

Elisabeth Leopold, die Witwe des Sammlers Rudolf, ruft dazwischen, sie wolle mit dem Thema Raubkunst nichts zu tun haben. Das hört die Israelitische Kultusgemeinde und repliziert: "Schließt der Leopoldine ihre Hüttn!"

Neben dem rustikalen Unterhaltungswert hat die Kabale aber durchaus einen ernsten kulturpolitischen Hintergrund. Der Staat demonstriert in Gestalt der dafür zuständigen Wissenschafts-bzw. Kulturminister ein absolutes Desinteresse gegenüber der Institution.

Zuerst stellte man hunderte Millionen Euro für den Ankauf der Sammlung und die Errichtung des Gebäudes zur Verfügung, dann aber war Schluss. Die Leopold Museum Privatstiftung, so die offizielle Bezeichnung, bekommt eine minimale Jahressubvention, das versprochene Ankaufsbudget blieb aus. Die Ministerien schicken eigene Leute in den Vorstand, um den Einfluss der Stifterfamilie zu begrenzen. Warum überprüft die Politik nicht die Arbeit dieser Kontrolleure?

Es kann nicht im Interesse der Öffentlichkeit sein, wenn der Vorstand als großer Restitutionsverhinderer in Erscheinung tritt. Und ist es im Sinne einer Corporate Governance, wenn der Vorstand die Nebentätigkeiten eines Direktors ausdrücklich erlaubt? Was würde der Aufsichtsrat des Kunsthistorischen sagen, wenn dessen Direktorin Sabine Haag nebenbei ein kleines Tizian-Museum betriebe? Eine eingeschworene Partie spielt sich die Bälle zu und ist froh, dass mit Natter eine kritische Stimme verstummt ist.


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