Nüchtern betrachtet

Die Rekontextualisierung von Verhauensverboten

FEUILLETON | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Dass das öffentliche Leben hierzulande mannigfaltigen Anlass böte, großes Vertrauen in die Integrität von Menschen zu setzen, die von Berufs wegen mit der Aufrechterhaltung oder Verbesserung des Gemeinwohls befasst sind, lässt sich nicht behaupten. Und dennoch muss man immer wieder verwundert zur Kenntnis nehmen: Tiefer geht's immer! Der unlängst erbrachte Nachweis, dass auch Frauen in den Sphären der Macht durchaus in der Lage sind, es an Dreistigkeit und Unverschämtheit mit ihren männlichen Kollegen aufzunehmen, veranlasste einen Freund, das Tabu, demzufolge man gegenüber Mitmenschen weiblichen Geschlechts nie nicht körperlich grob werden dürfe, zart anzuzweifeln.

Ich kann meinen Freund verstehen. Wer alle Regeln des Anstands mit Füßen tritt, dem (oder eben: der) würde man ganz gerne selbst auf die Füße treten -und zwar durchaus unmetaphorisch. Vielleicht, so gab ich zu bedenken, müsse man überhaupt erst einmal seriös prüfen, ob es sich bei der Person, die das dringliche


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