Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Zensur im Gefängnis: eine Posse rund um eine Häftlingszeitung


FLORIAN KLENK
POLITIK | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Die Justiz hat ein Problem mit Gerichtspsychiatern. Erst kürzlich hat ein Forscherteam dem Justizministerium nachgewiesen, dass Expertisen über Sexualstraftäter erstaunlich oft mangelhaft sind.

Nicht nur die Ministerialbürokratie setzt sich mit diesem Thema auseinander, sondern auch Häftlinge. In der Justizanstalt Mittersteig etwa geben Insassen vierteljährlich die respektable Zeitschrift Blickpunkte heraus, eine durchaus ambitionierte Insassenzeitung, in der Professoren, Justizexperten und Anstaltsleiter zu Wort kommen und die von der Justiz finanziert wird.

Kürzlich wollte sich das Häftlingsredaktionsteam mit einer "Sonderausgabe" zum Maßnahmevollzug zu Wort melden. Die Zeitung war fertig produziert und enthielt Beiträge von renommierten Juristen wie Manfred Nowak, Gertrude Brinek, Helmut Graupner und dem grünen Justizsprecher Albert Steinhauser.

Das Justizministerium stoppte allerdings den Druck. Einzelne Artikel -etwa über die Kosten für Justizgutachter - würden das "Gesamtsystem" stören und "den Häftlingen mehr schaden als nützen". Der Grüne Steinhauser wittert Zensur und überlegt, die Zeitung auf seinem Blog zu veröffentlichen.


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