Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Eine Erregung

FALTER & MEINUNG | AT | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Ob die Dame wirklich so hieß, die da auf der Leserbriefseite gratulierte? Viola Tricolor schrieb: "Betrifft: Tier der Woche. Ich gratuliere euch zu eurer neuen Kolumne ,Tier der Woche' - Ihr habt damit mehr Zeitgeist bewiesen, als so manches dem entsprechen wollende Magazin."(Siehe Seite 34)

Einem gratulierenden Gaul schaut man in die Augen, nicht ins Maul. Gratulieren dürfen wir uns rückwirkend zu diesem Titelblatt. Nicht nur ist das Foto des lorbeerbekränzten, die Sau reitenden Burgtheater-Direktors Claus Peymann großartig, auch der Text der nebenstehenden Schlagzeilen weist eine gewisse poetische Schärfe auf: "Teure Tram/Grüner Gram/Peymann plauscht/Zilk zetert", das machte nicht nur alliterativ, sondern auch versmaßmäßig etwas her. Und das Peymann-Interview selber?

Hören wir das Wort an die Leserin und den Leser, verfasst vom Chef vom Dienst, Christian Zillner: "Schon vor dem eigentlichen Interviewtermin trafen Falter-Theaterredakteur Roland Koberg, Falter-Mitarbeiter Wolfgang Kralicek und der Burgtheater-Direktor nach einer Pressekonferenz zusammen, um eine Stunde lang über das Wesen des idealen Interviews zu debattieren. ,Da muss Sex sein', sagte Peymann. Man kam überein, dass der Höhepunkt in Hinterstoder, Peymanns sommerlichem Feriendomizil, erreicht werden sollte.

Doch ach, der Direktor musste nach Italien reisen, aus der Hinterstoder'schen Erregung wurde nichts. Nach den Rechnungshofdebatten erhielt Peymann ein Fax:,Wir geben Ihnen Antwort-Nachlass. Auf die Frage, warum Sie nach der Barylli-Premiere nächtens um das Trabant (Wiener Szenelokal, Anm.) geschlichen sind, brauchen Sie nichts zu sagen. Jetzt zugreifen!'

Letzten Freitag war es soweit. In der - fast möchte man meinen, eigens dafür eingerichteten -Probebühne gab sich Peymann einem vierstündigen Gespräch hin. 45 Typoskriptseiten waren die Frucht der ausdauernden Einlassung, von Koberg und Kralicek in langen wochenendlichen Nächten abgelauscht und aufgeschrieben. ,Ich war nie von Wien abhängig, das macht mich ja so gefährlich', sagte Peymann."


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